Archiv der Kategorie: Nachrichten

Nachruf auf Prof. Dr. Ulrich Mazurowicz

Die Arbeitsgemeinschaft für mittelrheinische Musikgeschichte e.V. trauert um ihr Beiratsmitglied, Herrn

Prof. Dr. Ulrich Mazurowicz

der am 29. November 2025 im Alter von 84 Jahren verstorben ist.

Ulrich Mazurowicz gehörte zu den dienstältesten Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft, in die er am 1. Januar 1974 eingetreten war. Aus Hirschberg/Schlesien stammend, war er nach dem Lehramts- und Musikwissenschaftsstudium in Mainz zunächst einige Jahre als Lehrer an Grund- und Hauptschulen tätig, bevor er 1973 Assistent an der Erziehungswissenschaftlichen Hochschule Rheinland-Pfalz, Abteilung Worms, wurde. 1980 erfolgte die Promotion an der JGU Mainz bei Prof. Dr. Hubert Unverricht zum Dr. phil. mit einer Arbeit über die Geschichte des Streichduetts in Wien von 1760 bis zum Tod Joseph Haydns; zwei Jahre später erschien die Dissertation im Druck, es folgten Editionen dieses Repertoires bei Bärenreiter sowie im Rahmen der Haydn-Gesamtausgabe bei Henle.

1982 gelangte er als Oberstudienrat im Hochschuldienst an das Institut für Musikpädagogik der Goethe-Universität Frankfurt am Main, dessen Geschäfte er von 1993 bis 1998 führte. 2006 wurde er dort zum Honorarprofessor ernannt. Überdies war er 1991 und 1992 an der Universität Koblenz-Landau, Abteilung Landau, sowie im WS 1994/95 an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg tätig. Im Rahmen seiner Lehrtätigkeit vertiefte er seine Forschungen etwa zu Konzepten Musikalischer Früherziehung und vermittelte zahlreichen Lehramtsstudierenden Gegenstände des Musiklernens und Methoden des Musiklehrens, wozu er 2005 auch einen Leitfaden zum Studium und zur Prüfungsvorbereitung publizierte.

Unserer Arbeitsgemeinschaft in Mainz blieb er über all die Jahre eng verbunden, stand stets mit Rat und Tat zu Seite und begleitete die Aktivitäten bis in die jüngste Vergangenheit durch eigene Beiträge. Sein besonderes Interesse für Kirchenglocken brachte er als Campanologie-Beauftragter ein. Unvergessen bleiben seine ungebrochene Freude und Begeisterung, mit der er an größeren und kleineren Kongressen und Tagungen teilnahm. Er wird uns fehlen, aber wir werden uns dankbar an ihn erinnern.

Die Opern-Bestände des Mainzer Nationaltheaters (1788–1792)

Im Rahmen eines aktuellen Erschließungsprojekts „Die Opern-Bestände des Mainzer Nationaltheaters (1788–1792)“ von Fabian Kolb werden an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt die erhalten gebliebenen historischen Aufführungsmaterialien sowie weitere Quellen aus dem Umfeld des Mainzer Nationaltheaters erhoben, digitalisiert und über eine Plattform der Frankfurter Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg öffentlich zugänglich gemacht. Auch Verweise auf die zeitgenössischen Verlagsprodukte des Mainzer Hofmusikstechers und Musikalienhändlers Bernhard Schott, die mutmaßlich direkt auf das Material des Mainzer Nationaltheaters zurückgehen und großenteils von Ensemblemitgliedern des Theaters hergestellt wurden, sind in die Quellenerhebung integriert. Gleiches gilt für die handschriftlich überlieferten zeitgenössischen Einrichtungen für Harmoniemusik, die von dem Mainzer Hofoboisten Franz Heinrich Ehrenfried stammen.

Weitere Informationen sowie Zugang zu den Digitalisaten über die Projektseite: https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/mainztheater

Im Rahmen des Projekts findet am Mittwoch, dem 20. November 2024, um 19:30 Uhr im Kleinen Saal der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt ein Konzert des Instituts für Historische Interpretationspraxis der HfMDK unter Eva Maria Pollerus statt, das anhand einer Auswahl verschiedener Nummern und Stücke aus dem Mainz-Frankfurter Spielplan der Jahre 1788 bis 1792 exemplarisch die große Vielfalt des Repertoires wie die spezifischen Besonderheiten der Mainz-Frankfurter Versionen in historischer Aufführungspraxis erlebbar macht. Musiziert wird aus dem originalen Quellenmaterial; auch die zeitgenössischen hausmusikalischen Bearbeitungen und jene für Harmoniemusik werden als besondere historische Rezeptionsmodi mitberücksichtigt.

„das bes­te Thea­ter Deutsch­lands“: Aus den Opern-Be­stän­den des Main­zer Na­tio­nal­thea­ters 1788–1792

Weitere Informationen sowie Tickets unter: https://www.hfmdk-frankfurt.de/veranstaltung/das-beste-theater-deutschlands-aus-den-opern-bestaenden-des-mainzer-nationaltheaters

Übergabe des Nachlasses der Musikerdynastie Homeyer

Johann Joseph Adam Homeyer war Kirchenmusiker, vor allem aber Komponist; sein Vater Georg war Lehrer. Von besonderem Interesse ist der Erstere – u. a. wegen seines für die Mainzer Diözese bestimmten Choral-Buchs (1840). Die Familie hat nun den Nachlass von Georg und Johann Joseph Anton Homeyer ans Universitätsarchiv übergeben: Für die JGU Mainz ist das Material – das nicht nur aus Arbeiten zum Choral-Buch, sondern aus einer Vielzahl von Manuskripten besteht – als mögliches Studienobjekt u. a. in der Abteilung Kirchenmusik von großem Interesse.

Am kommenden Montag, 24. Juni 2024, findet um 19.30 Uhr im Orgelsaal der Hochschule für Musik Mainz eine kleine Feierstunde zur Übergabe des Nachlasses Homeyer an das Universitätsarchiv statt. Dabei wird auch eine Handvoll Kompositionen aus dem Nachlass von Orgelstudierenden aus der Klasse von Gerhard Gnann zum Erklingen gebracht. Der Eintritt ist frei.

Das Musikalbum von Louise Langhans-Japha

Am vergangenen Samstag, 14. Oktober, fand in der Musikhochschule Freiburg i.Br. ein Gesprächskonzert zum Musikalbum der Wiesbadener Pianistin und Komponistin Louise Langhans-Japha (1826–1910) statt, dem mehrere Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft beiwohnten. Siri Thornhill (Sopran), Pascale Jonczyk (Alt), Antonio Pellegrini (Violine), Michael Baumann und Jörn Bartels (Klavier) sangen und spielten die im Album enthaltenen fünfzehn kleinen Preziosen, darunter bislang weitgehend unbekannte Musik von Johannes Brahms, Ole Bull, Richard Wüerst, Julius Otto Grimm und Albert Dietrich sowie Werke der mittelrheinischen Komponisten Edmund Uhl und Hermann Noetzel. Dorothea Grube, die Ururgroßnichte von Louise Langhans-Japha und heutige Eigentümerin des Albums, und Dr. Janine Droese, in deren Hand zur Zeit die wissenschaftliche Auswertung liegt, skizzierten die Biographie von Langhans-Japha und gaben Einblicke in die Verbindung der Komponistin zu den insgesamt 13 Beiträger:innen. Eine Publikation des Albums über das Centre for the Study of Manuscript Cultures (CSMC) der Universität Hamburg ist für das kommende Jahr geplant.

CfP: Im Schatten Wagners

Im Schatten Wagners. Oper in Deutschland um die Mitte des 19. Jahrhunderts

Call for papers verlängert bis 30. Sept. 2023!

Internationale Tagung, Mainz, 24.–25. Mai 2024

Aus Anlass des 200. Geburtstags und 150. Todestags von Peter Cornelius (1824–1874) veranstaltet die Abteilung Musikwissenschaft der JGU in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft für mittelrheinische Musikgeschichte eine internationale Tagung, die neue Perspektiven auf die deutsche Opernproduktion um die Mitte des 19. Jahrhunderts eröffnen soll. Spätestens mit der Weimarer Uraufführung von Wagners Lohengrin am 28. August 1850 konzentriert sich die Wahrnehmung des deutschsprachigen Opernschaffens in Forschung und Musiktheaterszene auf die Musikdramen Wagners, während Zeitgenossen wie namentlich Peter Cornelius im allgemeinen Diskurs eine Randexistenz führen. Zwar erlangte seine komische Oper Der Barbier von Bagdad (1858) für einige Jahrzehnte einen Platz im Repertoire und wurde seine zweite Oper Der Cid 1865 erfolgreich in München uraufgeführt, doch blieb sein fragmentarisch hinterlassener und von Waldemar von Baußnern vollendeter Gunlöd bis heute unaufgeführt und Produktionen der beiden anderen Opern bilden seltene Ausnahmen. Ähnliches gilt für Zeitgenossen im Schatten Wagners wie etwa Joseph Joachim Raff, Carl Amand Mangold, Heinrich Dorn, Eduard Lassen, Max Bruch oder Ferdinand Hiller, aber auch das Spätwerk von Friedrich von Flotow und Heinrich Marschner.

Die Tagung nimmt die konzertante Uraufführung des vervollständigten Gunlöd im Rahmen des Mainzer Peter-Cornelius-Festivals am 25. Mai 2024 zum Anlass, einen neuerlichen Blick auf das Opernschaffen im zeitlichen und räumlichen Umfeld der Entstehung von Richard Wagners früheren Hauptwerken sowie seinen zentralen publizistischen Schriften zu werfen. Dabei sind Beiträge zum musikdramatischen Schaffen von Peter Cornelius besonders willkommen, doch auch Referate zu den genannten oder weiteren deutschen Opernkomponisten und ihren Werken der 1850er und 1860er Jahre sind sehr willkommen. Beispielsweise folgende Fragestellungen können im Rahmen der Tagung verfolgt werden: Welche kompositorischen und formalen Strategien der Opernkomposition sind in deutschen Opern in der Folge von Tannhäuser und Lohengrin zu beobachten? Welche Kenntnis nahm Wagner im Exil und nach seiner Rückkehr von den aktuellen Entwicklungen? Welche Sujets werden bevorzugt aufgegriffen? 

Hotel- und Reisekosten werden zumindest anteilig übernommen. Vorschläge mit Abstracts von maximal 200 Worten Umfang werden bis spätestens zum 30. September 2023 erbeten an: kontakt@mugemir.de

In loser Verbindung zu der Tagung findet am 26. Mai 2024 in Darmstadt anlässlich der ersten modernen Wiederaufführung von Carl Amand Mangolds Oper Gudrun (Darmstadt 1851, konzertante Aufführung mit dem Konzertchor Darmstadt, Ltg. Wolfgang Seeliger) ein Workshop zum Thema „Nordische Sujets in deutschen Opern um Richard Wagner“ statt. Vorschläge für Beiträge zu diesem Workshop können ebenfalls eingereicht werden. Eine Teilnahme an beiden Veranstaltungen und Opernaufführungen wird empfohlen.


In Wagner’s Shadow. Opera in Germany around the middle of the 19th century.

International Conference, Mainz, 24–25 May 2024

In the context of the 200th birthday and the 150th anniversary of the death of Peter Cornelius (1824–1874), the Department of Musicology of the Johannes Gutenberg University is organising an international conference, in cooperation with the Arbeitsgemeinschaft für Mittelrheinische Musikgeschichte. The conference aims to open up new perspectives on German opera production around the middle of the 19th century. Since the premiere of Wagner’s Lohengrin in Weimar on 28 August 1850, at the latest, the perception of German-language opera production in research and in the active music theatre scene has concentrated on Wagner’s music dramas, while contemporaries such as Peter Cornelius lead a marginal existence in the general discourse. Although his comic opera Der Barbier von Bagdad (1858) found a place in the repertoire for a few decades, and his second opera Der Cid was successfully premiered in Munich in 1865, his Gunlöd, left in fragments and completed by Waldemar von Baußnern, has never been performed, and productions of the other two operas are rare exceptions. The same applies to contemporaries in Wagner’s shadow, such as Joseph Joachim Raff, Carl Amand Mangold, Heinrich Dorn, Eduard Lassen, Max Bruch or Ferdinand Hiller, but also to the late works of Friedrich von Flotow and Heinrich Marschner.

The conference will use the occasion of the concert premiere of the completed Gunlöd at the Peter Cornelius Festival in Mainz on 25 May 2024 to take a fresh look at opera creation in the temporal and spatial context of the creation of Richard Wagner’s earlier major works as well as his central journalistic writings. Papers on the music-dramatic work of Peter Cornelius are particularly welcome, but papers on these or other German opera composers and their works of the 1850s and 1860s would also be appreciated. The following questions, for example, may be addressed during the conference: What compositional and formal strategies can be observed in German operas after Tannhäuser and Lohengrin? What knowledge of current developments did Wagner acquire in exile and after his return? Which themes and topics were preferred? 

Hotel and travel costs will be covered at least in part. Proposals with abstracts of no more than 200 words should be sent by 30 September 2023 to: kontakt@mugemir.de

Loosely linked to the conference, a workshop on „Nordic Topics in German Operas around Richard Wagner“ will be held in Darmstadt on 26 May 2024, on the occasion of the first modern revival of Carl Amand Mangold’s opera Gudrun (Darmstadt 1851, concert performance with Konzertchor Darmstadt, cond. by Wolfgang Seeliger). Proposals for contributions to this workshop can also be submitted. Participation is recommended in both events and opera performances.

André Duo

2024 feiert das Musikhaus André seinen 250. Geburtstag. Zu diesem Anlass hat der polnisch-deutsche Geiger Piotr Niewiadomski das André Projekt ins Leben gerufen, das sich der Wiederentdeckung hochwertiger Kammermusik aus dem einzigartigen Archiv des Hauses André in Offenbach am Main widmet. Im Vorlauf zum Jubiläum hat Niewiadomski gemeinsam mit dem renommierten Geiger Professor Tomasz Tomaszewski als André Duo drei Sätze aus zwei selten gespielten Duetten von Anton André und Friedrich Hermann aufgenommen.

Anton André: Duett op. 27 Nr. 2, I. Allegro commodo
Anton André: Duett op. 27 Nr. 2, II. Rondo
Friedrich Hermann: Duett Op. 14, No.1, Allegro agitato

Wissenschaftliche Stadtbibliothek Mainz ersteigert Cornelius-Autograph

PCA Mus. ms. 64

Bei der Frühjahrsauktion der traditionsreichen Berliner Autographenhandlung Stargardt hatte die Wissenschaftliche Stadtbibliothek Mainz Bieterglück. Ihr gelang die Erwerbung eines wahren Fundes: Ein eigenhändiges Musikmanuskript des Mainzer Dichterkomponisten Peter Cornelius (1824–1874).

Es handelt sich um ein Melodram auf das Gedicht „Mein Wald“ von Friedrich Hebbel, das bislang nur anhand von Hinweisen, nicht aber inhaltlich bekannt war und als verschollen galt. Auf der Titelseite finden sich die Schriftzüge von Friedrich Hebbel („Mein Wald. Gedicht von Friedrich Hebbel“) und von Peter Cornelius („Composition von Peter Cornelius“). Die vollständige Komposition und der unterlegte Text sind von Cornelius’ Hand. 

Im Cornelius-Werkverzeichnis ist unter der Nummer CWV A 133 ein „Gedicht von Hebbel mit melodramatischer Begleitung“ verzeichnet. Um dieses Werk handelt es sich bei dem nun erworbenen Stück vermutlich, da kein weiteres Melodram auf einen Text von Hebbel nachgewiesen ist. Die Verzeichnung beruhte auf der Aussage in einem Brief von Cornelius, den er Ende Oktober 1859 aus Wien an seine Schwester Susanne schrieb. Es heißt dort, er habe „ein Gedicht v. Hebbel melodramatisch begleitet, es war ein Albumblatt für die Vermählung der Prinzeß Marie [zu Sayn-Wittgenstein mit Konstantin zu Hohenlohe-Schillingsfürst], welche am 15ten [Oktober 1859] wirklich stattgefunden hat. Die Composition ist mir ganz gut gelungen, während der Arbeit aber hatte ich entmuthigte Stunden. Bei dieser Gelegenheit hatte ich auch einen kleinen Strauß mit Hebbel auszufechten, der eine reizbare, leichtverletzliche Natur ist.“

Die Erwerbung ist auch deshalb so bedeutsam, da Musikautographen von Peter Cornelius auf dem Antiquariatsmarkt äußerst selten sind. Das „Jahrbuch der Auktionspreise Online“, das Auktionsergebnisse seit 1990 verzeichnet, nennt v. a. Briefe und Gedichte, jedoch kein einziges Musikautograph von Peter Cornelius. Der letzte Ankauf einer Musikhandschrift durch die Stadtbibliothek ist über 30 Jahre her.

Die Stadtbibliothek besitzt mit dem Peter-Cornelius-Archiv seit 1950 die international größte und bedeutendste Sammlung von Eigenschriften des Mainzer Dichterkomponisten und pflegt und erweitert sie seitdem systematisch. Für diese Sondersammlung ist die Erwerbung eine große Bereicherung und als Neuentdeckung sowohl für die Forschung als auch für die Musikpraxis von besonderem Interesse. Im Rahmen der Erschließung des gesamten Peter-Cornelius-Archivs ist die Handschrift bereits als „PCA Mus. ms. 64“ in der Datenbank Kalliope erfasst.

Silja Geisler

Dr. Günter Wagner (1937–2021)

Seit mehr als vier Jahrzehnten prägte Günter Wagner wie kaum ein anderer mit seinem rastlosen Engagement, seiner Zielstrebigkeit und seinen umfassenden Kenntnissen die regionale Kultur- und Musikgeschichtsschreibung. In seiner Funktion als Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für mittelrheinische Musikgeschichte gab er vielfältige Impulse, als Autor von Artikeln, Aufsätzen und Büchern wie auch als Herausgeber wichtiger Dokumente bereicherte er unser Wissen, und nicht zuletzt trug er mit seinen Vorträgen dazu bei, dass die Ergebnisse seiner und unserer Arbeit auch in der Öffentlichkeit ihren Widerhall finden konnten. Wir danken Günter Wagner für sein liebenswürdiges Büchlein über die jüdische Musikerfamilie Ganz aus Weisenau, für seine Edition Lieder Mainzer Komponisten der Goethezeit, für seine vielen profunden Beiträge zu den Mitteilungen für mittelrheinische Musikgeschichte, für seine langjährige Mitarbeit am Lexikon Musik und Musiker am Mittelrhein sowie insbesondere für seinen leidenschaftlichen Einsatz, der der Erforschung des Lebens und Schaffens von Peter Cornelius galt.

Seine Publikationen werden uns immer wieder Gelegenheit geben, uns seiner in Dankbarkeit und Anerkennung zu erinnern.

Axel Beer

Liedertafel-Quellen der Mainzer Stadtbibliothek auf www.dilibri.de

Das Archiv der Mainzer Liedertafel wird als Depositum in der Bibliothek der Abteilung Musikwissenschaft im Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft (IKM) der Johannes Gutenberg-Universität verwahrt. Die Mainzer Stadtbibliothek hat ihre Materialien zur Geschichte des Vereins „Mainzer Liedertafel und Damengesangverein“ größtenteils als Pflichtexemplare gesammelt, sie besitzt aber auch eine kleine Sammlung mit Autographen aus dem Umfeld der Liedertafel. Auf dem rheinland-pfälzischen Digitalisierungsportal dilibri hat sie jüngst eine thematische Sammlung mit überwiegend aus dem 19. Jahrhundert stammenden Quellen zur Geschichte des Vereins angelegt. Neben Vereins-Statuten, Jahresberichten und Konzertprogrammen finden sich hier beispielsweise auch Speisekarten zu Feierlichkeiten sowie historische Mitgliederverzeichnisse, die in der Regionalsammlung der Stadtbibliothek überliefert sind. Weitere Materialien werden in den nächsten Wochen und Monaten hinzukommen.

Brief von Felix Mendelssohn Bartholdy an Mainzer Liedertafel, 4. Jan. 1840 [Liedertafel Autogr. 43]

Als Mainzer Liedertafel im Oktober 1831 gegründet, war der Verein zunächst ein reiner Männerchor, der sich zur eigenen „musikalischen Unterhaltung“ traf. Doch bald erwuchs der Wunsch, sich in Konzerten auch öffentlich zu präsentieren. Um das Repertoire ausweiten zu können, sah man außerdem die Notwendigkeit der Mitwirkung von Frauen, und es wurde 1836 als Pendant der Damengesangverein gegründet, der mit der Liedertafel organisatorisch eine Einheit bildete. 1885 wurden die beiden Vereine auch formell zur „Mainzer Liedertafel und Damengesangverein“ zusammengeführt. 1969 musste der Verein wegen Insolvenz aufgelöst werden, aber bereits im Jahr darauf wurde als seine Nachfolgerin die bis heute bestehende Mainzer Singakademie gegründet.

Die Mainzer Liedertafel und der Damengesangverein waren bis zur Gründung des Städtischen Orchesters im Jahr 1876 Hauptveranstalter von Konzerten für die Stadt Mainz und Umgebung. Neben Chor- und Oratoriengesang kamen durch die Mitwirkung des Orchesters des Stadttheaters auch symphonische Werke zur Aufführung. Jakob Peth berichtete 1879 über die Saison 1834/35 in seiner Geschichte des Theaters und der Musik zu Mainz: „Den Glanzpunkt der Saison bildeten wieder die Konzerte der Liedertafel. Dieser Verein war in kurzer Zeit zu einer seltenen Blüte gelangt, was von dem Kunstsinn der Mainzer ein rühmliches Zeugnis ablegt.“ Und Fritz Volbach, 1891–1907 Dirigent des Vereins, schrieb über den Chor in seinen Lebenserinnerungen: „Der Mainzer und besonders die Mainzerin sind schnell zu heller Begeisterung entflammt, und wenn man das Feuer zu schüren wußte, war es leicht, Leistungen von hervorragender Schönheit zu erzielen. Es galt in Mainz als eine Ehre, dem Chor anzugehören und man drängte sich dazu.“

Link zur thematischen Sammlung auf dilibri:
https://www.dilibri.de/nav/classification/2108522

Silja Geisler