Volbach in Münster

Im Rahmen des Festivals Musica sacra führte das Sinfonieorchester Münster unter Leitung von GMD Golo Berg am 24. März im Paulusdom zu Münster Fritz Volbachs während seiner Zeit als Leiter der Mainzer Liedertafel komponiertes (und auch in Mainz 1895 veröffentlichtes) Sinfonisches Gedicht Ostern op. 16 auf. Volbach trat vor fast exakt 100 Jahren das Amt des Städtischen Musikdirektors in Münster an – Grund genug, sich dort seiner zu erinnern, und es wird 2019 weitergehen: Am 29. und 30. Januar sowie am 3. Februar wird Volbachs prachtvolle H-moll-Sinfonie
op. 33 erklingen. Schade nur, dass ein Jubiläum dieser Art – so weit zu sehen – in Mainz erst in etlichen Jahren zu begehen sein wird…

Bei dieser Gelegenheit: Allen Leserinnen und Lesern frohe Ostern!

Axel Beer

Patenschaft Domorgel

Letztes Jahr hatte die Arbeitsgemeinschaft Gelegenheit unter der Führung von Prof. Beckmann die  Orgel des Mainzer Doms näher kennenzulernen (siehe Bericht). Thema war damals auch schon der Zustand der Orgel, der eine Restaurierung notwendig macht.
Für die Erneuerung der insgesamt 14.526 Pfeifen werden nun Patenschaften gesucht.

Mehr Informationen finden Sie hier oder hier.

 

10.2.: Gernsheim-Konzert in Darmstadt

Am Samstag, den 10. Februar, bietet sich die seltene Gelegenheit, Musik des 1839 in Worms geborenen Komponisten Friedrich Gernsheim zu hören: Christoph Schickedanz (Violine) und Ernst Breidenbach (Klavier) werden u.a. die beiden Violinsonaten op. 4 und op. 58 spielen.

Ort und Zeit: Wilhelm-Petersen-Saal der Akademie für Tonkunst in Darmstadt, Ludwigshöhstr. 120,
16 Uhr – Eintritt frei (Spenden erbeten).

Hermann-Schroeder-Preis 2017

15 junge Organisten aus fünf Nationen nahmen Ende September 2017 am 8. Internationalen Orgelwettbewerb um den Hermann-Schroeder-Preis in Trier teil. Die international besetzte Jury unter der Leitung von Prof. Johannes Geffert (Köln) und zahlreiche Zuhörer in der gut besuchten Trierer Konstantinbasilika erlebten ein Finalkonzert auf hohem Niveau. Es wurden drei Preise sowie mehrere Förderpreise vergeben:

  1. Preis (4000 €): Lukas Streibl (Stuttgart)
  2. Preis (2000 €) und Publikumspreis: Lars Schwarze (Lübeck)
  3. Preis (1000 €): Lukas Euler (Haßloch/Leipzig)

Förderpreise: Johannes Lamprecht (Köln) und Giovanni Michelini (Modena/Italien); Sonderpreis für die beste Schroeder-Interpretation im 2. Durchgang: Miso Kim (Südkorea)

Der Wettbewerb erinnert an den in Bernkastel-Kues geborenen Komponisten Hermann Schroeder (1904–1984), dessen Leben und Schaffen sich die Hermann-Schoeder-Gesellschaft e.V. (www.hermann-schroeder.de) widmet. Das Finalkonzert wurde vom Südwestrundfunk mitgeschnitten und wird auf CD erscheinen.

Kritik an der Kritik

Zur Besprechung von Egmont Michels’ Buch Philipp Carl Hoffmann (1769–1842) (Beiträge zur mittelrheinischen Musikgeschichte 45) durch Christian Kuntze-Krakau in Das Orchester (04/2017)

Eigentlich würde es genügen, sich kurz und bündig der Behauptung zuzuwenden, in der Kuntze-Krakau sein – sagen wir mal: nicht gerade begeistertes – Referat über Michels’ Buch kulminieren lässt: Der Autor hätte vor 45 Jahren bereits eine Studie über Hoffmann vorgelegt, und es sei nicht klar, ob „neuere Quellenfunde die jetzige Veröffentlichung motivierte“. Dass sich der Rezensent, der ja mit dieser Bemerkung kaum etwas anderes intendiert haben kann, als die Unnötigkeit der zur Sprache stehenden Arbeit zu belegen, sich nicht der Mühe unterzogen hat, die Titel einmal genau anzusehen, ist eine schon fast rekordverdächtige Schlamperei – hätte er es getan, wäre ihm aufgefallen, dass das 1972 erschienene Buch Heinrich Anton Hoffmann, den Bruder Philipp Carls, zum Gegenstand hat.

Doch schon bevor man mit jener Aussage konfrontiert ist, stellt sich Stirnrunzeln ein: Dass jemand aufgrund der Vielseitigkeit seiner Interessen „nicht klar einzuordnen ist“ (in welches Schema eigentlich?) und deshalb ein Unbekannter blieb, ist schon eine steile These. Und es sei „schade“, dass Michels hier und da (in Ermangelung von Quellen) Vermutungen äußert – zur Erläuterung: Keine seriöse Studie über ein Thema wie dieses kommt ohne Vermutungen aus. Apropos Quellen: Dass Michels diesbezüglich „detaillierte Nachforschungen“ angestellt hat, findet erfreulicherweise die Anerkennung des Rezensenten; nur machen die Fragen, die Kuntze-Krakau weiterhin von Michels nicht beantwortet findet, einigermaßen ratlos – deshalb, weil der Autor bei entsprechender Quellenlage zweifellos auch zu diesen Themenbereichen etwas gesagt hätte, und auch aus dem Grunde, weil der Rezensent von der Musik- und Sozialgeschichte des 19. Jahrhunderts allenfalls rudimentäre Vorstellungen besitzt: Die Formulierung der Defizite der Arbeit (bezüglich „Freiberuflern“, Körperbehinderung und Konzerttätigkeit sowie Auslandsaufenthalten) dokumentiert allzu deutlich die gedankliche Orientierung an gegenwärtigen Maßstäben und Denkmustern, in die man historische Geschehnisse und Personen, will man den Boden der Seriosität nicht verlassen, nicht hineinzwingen darf. Und schließlich: Was die Aussage „Hoffmann hat wenig hinterlassen, was überliefert werden [!] kann [!]“, bedeuten soll, erschließt sich allenfalls, wenn überhaupt, dem Rezensenten selbst, der sicher auch weiß, was er damit sagen wollte, dass Constanze Mozart sich „vorsichtig skeptisch“ über die Kadenzen Hoffmanns zu Konzerten ihres verstorbenen Mannes äußerte. Ob sie schon geahnt hat, dass irgendwann einmal jemand ein unnötiges (zweites) Buch über jenen Unbekannten schreiben würde? Im Ernst und noch einmal deutlich – wenn es auch eine Binsenweisheit ist: Man sollte von der Sache schon etwas verstehen, wenn man ein Buch bespricht, und man sollte sich auch der Verantwortung bewusst sein, die mit dieser Tätigkeit verbunden ist.

Axel Beer

Exkursion zum Chorstift Kiedrich am 12. Nov. 2017

Wer an diesem regnerischen Sonntag früh genug den Weg aus dem Bett fand, hatte die Möglichkeit, in den Genuss des lateinischen Choralhochamtes in der Basilika St. Valentin in Kiedrich zu kommen. Die Tradition des germanischen Choraldialekts wird dort bereits seit 1333 gepflegt und findet heute mit den Kiedricher Chorbuben die letzten Ausübenden dieser besonderen Form des gregorianischen Chorals. Während es für die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft für mittelrheinische Musikgeschichte recht ungewohnt war, betete die Kiedricher Gemeinde auch einzelne Gebete wie das Vaterunser ganz selbstverständlich auf Latein. Nach der Messe fand die allsonntägliche Kirchenführung statt, die einen guten Einblick in die lange Tradition des Gotteshauses auch als Wallfahrtskirche erlaubte. Der während der Führung bereits in Grundzügen angesprochene germanische Choraldialekt wurde anschließend im warmen Probensaal von Chorregent Gabriel Heun ausführlich und kompetent erläutert. Dabei demonstrierte er exemplarisch dessen melodische Abweichungen anhand des in Hufnagelnotation notierten Graduale und leitete anschließend eine kleine gesangliche Erprobung an. Im Anschluss konnten im Chormuseum die originalen Codices bestaunt werden. Mit dem offensichtlich noch völlig unerschlossenen Bestand an diversen liturgischen Bänden tat sich zusätzlich eine unerwartete Quelle an neuen Fragestellungen auf und lässt auf eine mögliche zukünftige Zusammenarbeit hoffen. Der gemütliche Teil des Tages fand schließlich im Weinhaus zum Scharfenstein bei einem schmackhaften Mittagessen und geselligem Beisammensein statt.

Lavinia Hantelmann und Johanna Thöne

 

Opernaufführung und Tagung zu Sterkel

Aus Anlass des 200. Todestags von Johann Franz Xaver Sterkel wird dessen Oper Il Farnace als Koproduktion des Stadttheaters Aschaffenburg mit der Bayerischen Theaterakademie August Everding  aufgeführt werden.  Die Premiere ist am Freitag, den 3. November 2017 um 19.30 Uhr im Aschaffenburger Stadttheater (weitere Informationen zur Aufführung finden Sie hier). Ermäßigte Karten sind für die Mitglieder über Prof. Dr. Pietschmann erhältlich.

Tags darauf, am 4. November, wird im Hörsaal der Abteilung Musikwissenschaft in Mainz eine kleine Tagung zu Leben und Schaffen des Komponisten stattfinden (ab 10 Uhr).
Das vorläufige Programm:
10.00 Begrüßung
10.15 Axel Beer: Sterkels Lebenswelt
10.50 Michael Kube: Zum Instrumentalwerk Sterkels
Pause
11.45 Gundela Bobeth: …einer unserer besten Liedercomponisten…: Franz Xaver Sterkel im zeitgenössischen Liedschaffen
12.20 Klaus Pietschmann: Per festeggiar l’avventurosa Nascita della Maestà Vostra – Sterkels Il Farnace (Neapel 1782)

Das Programm und alle wichtigen Daten finden Sie auch hier.

Ab 15.30 findet außerdem die Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft statt.

Hubert Unverricht verstorben

Am 14. August 2017, wenige Wochen nach seinem 90. Geburtstag, verstarb unser Ehrenmitglied Professor Dr. Hubert Unverricht. Insbesondere mit der Herausgabe der ersten beiden Bände des Lexikons Musik und Musiker am Mittelrhein (1974 und 1981) hat sich Hubert Unverricht bleibende Verdienste um die regionale Musikforschung erworben.

Ehrung für Dr. Uwe Baur

Für seine Verdienste um die Erforschung der Musikgeschichte der Stadt Koblenz wird unserem Mitglied Dr. Uwe Baur am 10. September 2017 im Rahmen eines Festakts im Historischen Rathaussaal die Kulturehrennadel der Stadt Koblenz verliehen. Wir gratulieren sehr herzlich.

Orgelführung im Hohen Dom zu Mainz am 9. Mai 2017

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft hatten die Gelegenheit eine exklusive Orgelführung im Hohen Dom zu Mainz zu erleben. Prof. Daniel Beckmann, seit 2010 Domorganist, gab zu Anfang einen Einblick in die Geschichte des Doms und seiner Organisten. Besonders detailliert beschrieb er die verschiedenen Standorte der Orgel über die Jahrhunderte hinweg und die mehrmalige Zerstörung durch Brände. Der heutige Zustand der Orgel mit ihren sieben Teilstandorten sei nicht optimal. Einige Teile sind restaurierungsbedürftig, beziehungsweise gar nicht bespielbar. So ist der Neubau der Orgel mittlerweile in Planung, bei dem die akustischen Gegebenheiten eine besonders wichtige Rolle spielen sollen. Der riesige Innenraum, dessen Bauweise ursprünglich nicht für Musik ausgerichtet war, erfordert dabei eine Beschallung von mehreren Standorten, was eine nicht geringe Herausforderung bedeutet. Die ersten Aufzeichnungen bezüglich einer Orgel stammen erst aus dem frühen 14. Jahrhundert, während der Dom bereits drei Jahrhunderte stand.

Die anschließend von Prof. Beckmann vorgetragenen drei Beispiele aus drei Jahrhunderten machten die Problematik deutlich: Ein Werk aus der Feder J. S. Bachs ist in all seiner Differenziertheit kaum darstellbar, was besonders dann anschaulich wurde, wenn man die sich ansonsten nicht bietende Gelegenheit nutzte, während des Spiels einen Rundgang durch den Raum zu machen und das Verschwimmen der musikalischen Strukturen wahrzunehmen – die romanische Bauweise und der (später eingefügte) Marmorboden bewirken eine Nachhallzeit von bis zu elf Sekunden, und dieses Phänomen wurde umso deutlicher, als das Bauwerk (einmal abgesehen von der übersichtlichen Anzahl der Besucher) ansonsten leer war.

Ganz anders die Kompositionen von Felix Mendelssohn Bartholdy und vor allem Louis Vierne: Trotz des derzeit noch suboptimalen Zustands der Orgel waren diese Stücke aufgrund ihrer flächigeren Klangstruktur und natürlich auch aufgrund des meisterlichen Spiels von Prof. Beckmann, der sein Instrument und die akustische Problematik wie kein anderer kennt, weitaus beeindruckender.

Mit besonderer Aufmerksamkeit und Heiterkeit nahm man die Anekdoten zu den im Wächterhäuschen angebrachten „Kardinalstrompeten“ auf. Es soll an dieser Stelle nicht zu viel verraten werden, doch es war unter anderem von einer „Nacht- und Nebelaktion“ und der amerikanischen „First Lady“ die Rede. Die Besonderheit des im Jahr 2003 eingefügten Registers liegt dabei in der Bauweise und dem erhöhten Winddruck, der einen signifikanten brillanten Trompetenton erzeugt. Nicht umsonst muss der Organist eine kardinalsrote Taste betätigen, damit er das Register in sein Spiel einbeziehen kann.

Zuletzt konnte man noch in das „Cockpit“, den Hauptspieltisch des Organisten, Einblick erhalten. Die Orgel ist zwar nicht die größte in Europa, allerdings verfügt sie über sechs Manuale, womit sie alle anderen übertrifft. Prof. Beckmann hatte nun Gelegenheit, genauer auf einzelne Register einzugehen und speziellere Fragen zu beantworten. Es wurde deutlich, dass technisches Verständnis für einen Organisten ebenso wichtig ist wie spielerische Fähigkeiten. Auch wenn beim abschließenden Hörtest mit dem Spielen der größten und kleinsten Pfeife (also am Rande des menschlichen Hörvermögens) nicht alle Zuhörer bestehen konnten, so war die Führung mehr als gelungen. Wer mehr zur Geschichte der Orgel oder ihrer Organisten erfahren möchte, der sei auf die Webseite von Daniel Beckmann (www.danielbeckmann.de) verwiesen oder auf seinen Artikel „Aus alt mach neu“ in der Zeitschrift ORGAN_Journal für die Orgel (Heft 2, Mainz: Schott 2012).